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Phase IV der umfassenden weltweiten Krise: Bis spätestens zum Sommer 2009 Zusammenbruch des globalen Währungssystems- Pressemitteilung des GEAB vom 18. November 2008 -
Die G20-Konferenz vom 14. /15. November 2008 in Washington ist schon für sich Beweis für das Ende der globalen Vorherrschaft des Westens angelsächsischer Prägung in der Weltpolitik und im globalen Finanzsystem. Aber nach unserer Auffassung hat dieses Treffen darüber hinaus bewiesen, dass in dieser umfassenden weltweiten Krise solche Gipfel nur scheitern können. Denn sie setzen sich lediglich zum Ziel, die Symptome der Krise (Kreditblase, Finanzspekulation durch Banken und Hedge Fonds, explosionsartige Zunahme der Finanzderivate, extreme Volatilität der Finanz – und Devisenmärkte) zu behandeln. Die Ursache der Krise aber, nämlich der Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems, das 1944 den US-Dollar zum zentralen Pfeiler des globalen Währungssystems machte, gehört nicht zu der Themenliste. Wenn jedoch Bretton-Woods bis zum Sommer 2009 nicht vollkommen überarbeitet wird, wird der Zusammenbruch des heutigen Systems, und mit ihm der USA als ihrem zentralen Pfeiler, daraus resultieren. Die gesamte Welt würde damit in eine bisher nie da gewesene wirtschaftliche, soziale, politische und geopolitische Instabilität gestürzt werden.
Wenn man sich den Stil des Kommuniqués dieses ersten G20-Gipfels betrachtet, der die klare Handschrift von Technokraten und Bürokraten trägt, und den Kalender der weiteren Konferenzen, den es enthält, der in keiner Weise die Konsequenzen aus dem Ausmaß und der Ausbreitungsgeschwindigkeit der aktuellen Krise(1) zieht, dann kann man nur mit Bedauern festhalten, dass es wohl unvermeidlich ist, dass die Katastrophe sich erst in vollem Umfang einstellen muss, bevor man darauf hoffen kann, dass die Grundprobleme angegangen werden und ein Ausweg aus der Krise eröffnet wird. Vier wesentliche Entwicklungen sind mit voller Kraft am Werk, um das System von Bretton-Woods II (2) noch im Jahr 2009 zum Einsturz zu bringen: 1.Rasante Schwächung der maßgeblichen Gründungsländer: USA und Großbritannien 2.Wachsende Divergenz zwischen drei unterschiedlichen Zukunftsvisionen unter den größten Systemträgern: Eurozone, China, Japan, Russland, Brasilien 3.Unkontrollierte Beschleunigung der Autodestruktion des aktuellen Systems der Finanzmärkte 4.Die Krise in Wirtschaft und Gesellschaft wirkt sich immer massiver und katastrophaler aus. LEAP/E2020 hat in den vorher gehenden Ausgaben des GEAB bereits ausführlich die erste und vierte Entwicklung beschrieben und prognostiziert. In dieser 29. Ausgabe des GEAB konzentrieren wir uns auf die zweite und dritte Entwicklung. Mit den letzten Monaten des Jahres 2008 ist in den obersten Machtetagen die Panik eingezogen. Die Politiker weltweit haben begriffen, dass das Haus in Flammen steht. Aber sie haben immer noch nicht verstanden, was so offensichtlich ist: Das Haus ist Einsturz gefährdet. Ein einfacher Lösch- oder Rettungsplan reicht nicht aus. Um eine gewagte Analogie zu entwerfen: Die Zwillingstürme des World Trade Centers sind nicht zusammen gebrochen, weil die Feuerwehrleute zu spät zum Einsatz gekommen wären oder weil im automatischen Brandbekämpfungssystem nicht genug Wasser gewesen wäre; sie sind zusammen gebrochen, weil sie nicht darauf ausgelegt waren, den zeitnahen Aufprall von zwei Linienflugzeugen zu verkraften. Auf das heutige Weltwährungssystem übertragen bedeutet das: Das Bretton – Woods-System sind die Zwillingstürme, und sie werden getroffen von Flugzeugen, die da heißen: Subprime- Krise, Kreditkrise, Bankeninsolvenzen, Rezession, Very Great Depression US, US-Haushaltsdefizite... nicht nur zwei Flugzeuge stürzten in das Weltwährungssystem, sondern eine ganze Fliegerstaffel.
Erstes Jahr der großen Kurskorrekturen an den Aktienmärkten (DowJones in % seit 1900) (Das erste Jahr dieser aktuellen Korrektur ist das schlimmste seit 1900, sogar schlimmer als das erste Jahr der Weltwirtschaftskrise 1929) - Quelle ChartoftheDay
Die derzeitigen führenden Politiker (einschließlich Barack Obama (3)) sind alles Produkte der Welt, die gerade vor unseren Augen zusammen bricht. Es fehlt ihnen daher zwangsläufig an der notwendigen Phantasie für die erforderlichen Lösungen. In der Politik finden wir heute die identische Situation vor wie gestern in den Chefetagen der Zentralbanken; die Zentralbanker waren 2006/2007 schlicht und einfach überfordert, sich das Ausmaß der Krise zu vergegenwärtigen (4). Nicht nur die Welt unserer politischen Eliten versinkt, sondern auch ihre Überzeugungen und Illusionen (manchmal sind diese identisch) (5). Nach unserer Auffassung ist eine Erneuerung von mindestens 20% der führenden Politiker weltweit notwendig, damit überhaupt Hoffnung bestehen kann, dass wirksame Lösungen angedacht werden (6). 20% Erneuerung in einer komplexen, aber kaum vertikal strukturierten Gruppe von Menschen ist nach unserer Auffassung die kritische Masse, die erforderlich ist, damit in dieser Gruppe sich die Perspektiven grundsätzlich verändern und neue Ideen entstehen können. Von dieser kritischen Masse sind wir heute noch weit entfernt, denn « neu » und damit in der Lage, zur Krisenlösung beizutragen, sind nur Persönlichkeiten, die an die Macht gelangen, nachdem und weil sie die wahre Natur der Krise erkannt haben.
Wir sind fest davon überzeugt, dass ohne ein entsprechendes Handeln der Politik innerhalb der nächsten sechs Monate die Schuldenlast der USA, wie wir in der 28. Ausgabe des GEAB ausführten, bis zum Sommer 2009 zum amerikanischen Staatsbankrott oder massiver Abwertung ihrer Währung führen wird. Dem US-Bankrott würden Zusammenbrüche anderer Länder vorausgehen, nämlich solche, die nicht so eminent bedeutend für die Weltwirtschaft sind, keine so starke Rolle im Währungssystem einnehmen wie die USA, aber in einer vergleichbaren Situation der schnell wachsenden Staatsverschuldung stecken (z.B. Großbritannien (7)). Genauso wie die US-Zentralbank, die mit ansehen musste, wie ihre wichtigsten Partnerbanken, die sogenannten Primary Dealers (8), eine nach der anderen in den Strudel der Krise gerissen wurden, bis auch sie selbst an ihre finanziellen Grenzen stößt und damit ihr weitere Existenz nicht mehr gesichert ist, so werden auch die USA im kommenden Jahr erleben müssen, wie die Länder, die am engsten mit ihrer Wirtschaft und ihren Finanzmärkten verbunden sind, sowie ihre von ihnen finanziell abhängigen Verbündeten (9), eines nach dem anderen zusammen brechen.
Den Europäern ist aufgegeben, hierbei eine herausragende Rolle zu spielen (10). Insbs. die Länder der Eurozone müssen den USA rückhaltslos klar machen, dass sie 2009 finanziell und wirtschaftlich in ein Schwarzes Loch fallen werden, wenn sie ihre Privilegen der Vergangenheit nicht aufzugeben bereit sind;dass, wenn sie warten sollten, bis ihr Staatsbankrott offensichtlich und unvermeidlich geworden ist, sie an der Entstehung des neuen Weltwährungssystems nur in untergeordneter Rolle beteiligt sein werden. Nach China und Japan und vor den erdölproduzierenden Golfstaaten besitzt die Eurozone mit 550 Milliarden Dollar (gleichrangig mit Russland, das allerdings keine verläßlichen Zahlen veröffentlicht) die drittgrößten Dollarreserven (vgl. o.a. Graphik). Die Eurozone hat damit ausreichend diplomatisches, wirtschaftliches und finanzielles Gewicht, um Washington zu bewegen, den harten Realitäten ins Auge zu schauen (11). Die verbleibenden EU-Mitgliedstaaten werden sich sicherlich der Eurozone anschließen. Denn alle sind Leidtragende einer tiefgreifenden Wirtschafts- und/oder Währungskrise (12). Ohne die Eurozone sind ihre kurz- und mittelfristigen Aussichten sehr düster. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass viele Länder, die bisher noch ablehnend (Island, Dänemark) bzw. wenig begeistert waren (Polen, Tschechien, Ungarn...), nunmehr in die Eurozone drängen. Damit ist der Euro die einzige Währung weltweit, der sich andere Währungen anschließen wollen (13).
Es ist bezeichnend, dass die Financial Times eine Auflistung der materiellen Vermögenswerte der US-Regierung erstellt hat: Militäranlagen, Nationalparks, öffentliche Gebäude, Museen... Alles wurde bewertet und zusammen gerechnet. Als Summe kam ein Betrag von ungefähr 1.500 Milliarden US-Dollar heraus, also ungefähr das zu erwartende US-Staatsdefizit 2009 (vgl.im einzelnen die Vermögenswerte in der u.a. Graphik). Da ist es nicht verwunderlich, dass Taiwan, obwohl es doch sehr auf den militärischen US-Sicherheitsschirm angewiesen ist, nunmehr beschlossen hat, nicht weiter Anleihen von Fannie Mae und Freddie Mac zu kaufen; insoweit nutzte auch die Verstaatlichung und damit die US-Garantie für deren Schulden nichts (14). Und auch Japan verkauft inzwischen mehr US-Schatzbriefe als es kauft. Dennoch sollen all die, die trotz unserer Ratschläge in den letzten zwei Jahren noch in Anleihen von Fannie Mae und Freddie Mac, Aktien oder in die großen US-Banken oder in den Bankensektor im Allgemeinen investiert haben, sich nur nicht unnötige Sorgen machen: Nichts Schlimmes wird passieren, dass werden « Die da oben» schon verhindern. Das Problem bei einer solchen Vogel Strauß-Strategie ist jedoch: « Die da oben » sind inzwischen in ungezügelter Panik, und « Die da oben» haben inzwischen absolut die Kontrolle über und sogar das Verständnis für die Wirklichkeit verloren, weil in ihrer Vorstellungswelt eine solche Krise einfach nicht vorkommen konnte. Wir haben es in der 28. Ausgabe geschrieben: 2008 war nur der Auslöser der Krise. Jetzt treten wir in die Phase IV ein, in der die Welt mit ihren Folgen konfrontiert wird!
Vermögenswerte der US-Regierung (Sept. 2007) - Quelle: US GOA / Financial Times
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Noten: (1) Hier finden Sie das Schlußkommuniqué auf Englisch und eine sehr verhaltene Stellungnahme der französischen Presse im Journal de Dimanche, einer Zeitung, die den Pariser Machtkreisen nahe steht; die Stellungnahmen in den Medien der anderen Euroländer dürfte sicherlich vergleichbar ausfallen. Eines ist sicher: Dieser G20-Gipfel hat nichts dazu beigetragen, die Krise zu bekämpfen; schlimmer noch, er ist angesichts der Weigerung der USA, sich den wahren Problemen anzunehmen, geeignet, die Sorgen der Anleger und Markteilnehmer noch zu verstärken. (2) Auch wenn es Gordon Brown und Nicolas Sarkozy missfällt und die Medien nicht darüber schreiben wollen: Bretton Woods II existiert sehr wohl seit den siebziger Jahren. Denn seit dem Jahr 1971 und der unilateralen Entscheidung Amerikas die Goldbindung des Dollars zu kappen, und seit den Verträgen von Jamaika im Jahr 1976, mit dem einem real existierenden System von flukturierenden Wechselkursen eine einigermaßen verläßliche Rechtsgrundlage gegeben wurde, wurde das ursprüngliche Bretton Woods System aufgegeben und ein System flukturierender Wechselkurse an seine Stelle gesetzt (Bretton Woods II). (3) Denn der zukünftige Präsident der Vereinigten Staaten scheint tatsächlich nur das Ziel zu verfolgen, sein Wahlprogramm umzusetzen (Soziale Sicherung, Infrastruktur, Steuersenkungen für die Mittelklasse...). Dieses Programm wurde jedoch vor dem Ausbruch der Krise erarbeitet. Seine Umsetzung erfordert Unsummen von Geld, die eine schon heute überschuldete USA nicht hat. Das Wahlprogramm wäre wunderbar, wenn das Amerika, für das es geschrieben wurde, noch existieren würde. (4) Siehe hierzu unsere Vorhersagen von der 17. und 18. Ausgabe des GEAB (5) Das ist der Fall betreffend die Währungsreserven in US-Dollar vieler Länder wie China, Japan oder den Erdölmonarchien des Persischen Golfs. Deren Politiker und Herrscher können sich immer noch nicht vorstellen, das die Hunderten von Milliarden Dollar in ihren Schatzkammern heute nur noch 50% oder 30% ihres Nennwerts besitzen. Erst ihre Nachfolger werden bedenkenlos die notwendigen Konsequenzen aus dieser neuen Situation ziehen und ein neues Weltwährungssystem entwerfen, das sich grundlegend von dem heutigen unterscheiden wird. (6) Das heißt, schlüssig und praxistauglich. (7) Großbritannien ist bereits so heftig von der Rezession betroffen, dass es das durchschnittliche EU-Wachstum 2009 nach unten zieht. Großbritannien wird in den kommenden Jahren der « kranke Mann Europas » sein. (8) Es ist sehr erhellend, auf Wikipedia die Geschichte der « Primary Dealers » nachzulesen; diesen Banken wurde von der US-Zentralbank das Privileg erteilt, ausschließliche Geschäftspartner der Zentralbank zu sein. Über Jahrzehnte war die Liste recht stabil. Seit Anfang 2008 ist Bewegung in die Liste gekommen, da viele der dort verzeichneten Banken nicht mehr oder nicht mehr als unabhängige Banken existieren und teilweise durch andere Banken ersetzt wurden. (9) Pakistan und die Ukraine mussten bereits Kredite des IWF in Anspruch nehmen, während die Bonität der Schuldtitel des türkischen Staates herabgestuft wurde. Jetzt kann man damit rechnen, dass auch Ägypten, Israel und Kolumbien in Schwierigkeiten geraten werden. (10) Diese Ansicht vertritt auch Joseph Stiglitz in seinem Artikel vom 11.11.2008 im Telegraph. (11) Wir wollen damit nicht etwa behaupten, der Eurozone gehe es ausgesprochen prächtig (vgl. insbs. die 28. Ausgabe des GEAB zu den wirtschaftlichen Aussichten); aber angesichts einer historischen Krise wie die, die wir heute miterleben, erscheinen unsere Schwierigkeiten im Verhältnis zu denen der USA, Großbritanniens oder auch Asien im kommenden Jahr noch recht erträglich. (12) Lettland hat in aller Eile die zweitgrößte Bank des Landes verstaatlicht; Ungarn braucht Kredite der EZB und des IWF; Polens Wachstum bricht ein; Dänemark und Schweden wollen in den nächsten Jahren der Eurozone beitreten; Großbritannien ist so gut wie zusammen gebrochen. (13) Quelle: NRC, 13/11/2008.Das kann man von der US-Währung wirklich nicht behaupten, von der sich vielmehr immer mehr Länder abkoppeln und ihre festen Wechselkursbindungen aufgeben wollen; einige von ihnen wollen sogar eigene Alternativwährungen schaffen, wie z.B. die Ölmonarchien des Persischen Golfes, die bis 2010 eine gemeinsame Währung schaffen möchten. Quelle: GulfNews, 22.09.2008 (14) Die Ankündigung von weiteren Rekordverlusten von Fannie Mae im 3. Quartal (29 Milliarden USD) ist dafür vielleicht die Ursache: Barron’s, 24.10.2008; MarketWatch, 10.11.2008 Mardi 18 Novembre 2008
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